Zerbrochen

Wenn man bemerkt, dass man nur Phantasie kann, dann ist dies für andere Mensch schön, weil sie immer etwas bekommen, was sie bewundern und meistens nicht können, für den der nur Phantasie kann, sieht es anders aus. Für mich sieht es anders aus. Ich kann nur Phantasie, ich kann nur dass, was für andere unmöglich scheint und für mich selbstverständlich ist. Dabei ist Zeichnen, schreiben und sich dinge ausdenken für mich keine Hexerei. Im Gegenteil, für mich ist es so selbstverständlich, so normal wie für andere gehen, lesen oder das benutzen der U-Bahn. Und weil es für mich so ich-und-der-Dracheselbstverständlich ist, Dinge aus dem nichts zu erschaffen, bin ich über Jahrzehnte davon ausgegangen, dass das jeder kann. Doch das ist nicht so. Schade. Wäre es anders und jeder würde so wie ich, schneller eine künstliche Welt errichten als die Wirklichkeit zu sehen, dann hätte ich keine Probleme. Doch genau daraus resultieren meine Schwierigkeiten.

Ich sehe die Welt mit anderen Augen, natürlich nicht immer und ich habe auch keine Wahnvorstellungen bei denen Bunte Elefanten am Himmel fliegen, aber ich entziehe mich ständig meinem Umfeld durch kleine und leichte Verschiebungen. Ich bemerke es wenn ich es mache, ich sehe wie ich es mache, Ich weiß wann ich mir etwas ausdenke, eine Situation überspiele oder durch meine Version der Realität versuche unangenehme Situationen zu drehen, doch ich kann nicht eingreifen. Eine Bestätigung, ein Ja, ein positives Lächeln, um einen Zustand der Harmonie herzustellen, ist für mich unterbewusst so wichtig, dass ich keinen Gedanken an die Zukunft, oder die daraus resultierenden Konsequenzen verschwende.

In Meinem Beruf ist es wenn man neues erschaffen kann. Im Wirklichen Leben, dem was für alle anderen Echt ist, wird dieser Zustand zu einem Problem.

Ich beneide die Phantasielosen, die mit dem Sonntäglichen Tatort zufrieden sind, die sich auf den neuen Wallander freuen oder im Zug den neuen „Vollidioten“ lesen. Mich langweilen solche Dinge, weil die in meinem Kopf viel spannender sind. Doch da kommen sie nur sehr selten raus. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich meine Fähigkeit die Realität zu verändern nur für mich nutze jedoch nicht für Andere, denn dann wäre ich ein Geschichtenerzähler.

Einige sagen mir ich soll doch einfach damit aufhören, oder warum ich denn nichts gesagt habe oder anders reagiert, wenn ich gefragt werde? Ich weiß es nicht, denn in dem Moment in dem ich meine Realität baue kann ich mich nur beobachten ich sehe zu, wie man einen Film ansieht und ich kann nichts machen. In den Momenten in denen ich „lüge“, denn was anderes ist das Erstellen einer eigenen Realität nicht, kann ich nicht anders ich weiß zwar was ich mache, aber der Stärkere Teil übernimmt für mich die Arbeit, die Kontrolle. Ich bin nur noch Zaungast. Ist die Realität erst einmal mit meiner Version überschrieben dauert es vielleicht ein zwei Minuten und sie wird auch zu meiner Realität. Weit hinten kann ich noch unscharf erkennen, wie die Wirklichkeit aussieht, doch dafür müsste ich mich anstrengen ich müsste mich bemühen und oftmals ist das schmerzhaft. Nicht für mich, sondern weil ich mir wieder eine andere Realität erstelle, die noch stärker ist, die mir Zeigt, was wird wenn dieses Gerüst zerbrochen wird. Egal welche Lösung ich finde. Ich stehe am Ende immer alleine da. Im Nichts. Verschlungen von Gmork. Und da ist sie wieder, meine Flucht, mein Weg. Ich kann nicht einmal in den wenigen Klaren Minuten die ich habe die Wirklichkeit sauber formulieren ich brauche Metaphern aus meiner Welt. Für die einen ist es die Figur aus einem Kinderbuch, für mich ist sie eine so reale Bedrohung wie für die Anderen Atomwaffen. Was nicht heißen soll, dass Atomwaffen für mich keine Bedrohung sind, die kommt noch dazu, denn schließlich bekomme ich sehr wohl mit was hier und jetzt passiert, ich kann es nur nicht sehen wenn es um mich geht. Es ist für mich um ein vielfaches einfacher eine eigene Realität zu erschaffen, als die Realität zu beschreiben oder zu leben. Ich ändere nicht die Person oder meine Persönlichkeit, ich bin immer ich egal was ich mache, ich bin nur nicht immer so dabei wie ich es gerne wäre. Ich gucke häufig nur zu und überlasse dem Autopiloten meine Körper.

Leider hat die Welt für Menschen wie mich keinen Platz mehr, schrieben wir früher Romane, Opern, oder Schufen Religionen und Bemalten Höhlenwände, so sind wir heute in der Leistungsfalle, gefangen in einer Welt die nur noch aus Zahlen, Leistung und Verwaltung besteht, eine Welt in der die Statistik wichtiger ist als alles andere, das ist zwar auch eine Parallelwelt, doch diese wird akzeptiert und bewundert. Und genau die verstehe ich nicht. Ich verstehe nicht, wie man sinnlose Regeln befolgen kann, wenn die Logik einem sagt, dass es falsch ist, ich verstehe nicht, wie man glücklich sein kann wenn man genau in eine Statistik passt. Ich verstehe nicht, wie man die Welt nur so sehen kann wie sie ist, oder es Andere von einem Verlangen. Nur weil eine intelligente Werbemasche sagt, dass das T-Shirt mit Möwe besser ist, als das ohne darf man doch noch nachdenken, ob das wirklich so ist.

Ich sage immer wieder, dass ich im Alltag so viel Realität habe, dass ich mich mit ihr nicht auch noch in meiner Freizeit aufhalte. Das stimmt sogar, doch nicht weil ich es nicht will, sondern weil ich es nicht anders kann.

Wenn ich mich selber beschreiben würde, dann sehe ich einen Jungen vielleicht 14, ab und zu 16 und sehr häufig nur 8. Und der spielt. Mal spielt er Erwachsener, dann wieder Werbeagentur, ab und zu Mann wenn es gewünscht ist und wenn er darf, dann ist er einfach nur er. Kurz ich zerbreche an meinem Kopf und den unendlichen Geschichten in ihm, wilde Abendteuer tausende noch unentdeckte, Spannende Geschichten und unendliche Katastrophen.

Stehe ich auf einem Bahnsteig, sehe ich z.B.  wenn ich warten muss einen Zug, der beim Einfahren aus dem Gleisbett springt und alles mit sich reißt, ich sehe wenn ich durch die Stadt gehe eine Endzeitwüßte und dass konnte ich schon bevor diese Filme Modern waren. Eine Stadt in Schutt und Asche legen war auch mit 6 Jahren schon kein Problem für mich.  Denn in dieser Welt war ich derjenige der mit der Realität klar kommt und ihre Regeln bestimmt.

Ich konnte diese Art schon immer überspielen, ich habe es nie jemandem beschrieben oder erzählt was ich mache und kann wenn ich aus dem Fenster geguckt habe. Denn die Harmonie, das nicht anecken und alle zufrieden zu stellen war für mich noch wichtiger als alles andere.

Das schlimmste an dieser Fähigkeit ist immer, das man von außen für dumm gehalten wird. In Wirklichkeit sieht es anders aus. Nur weil ich nicht verstehe was an bestimmten Autos so toll ist, oder an Sportlern der meist verkauften CD, heißt nicht, dass ich es nicht verstehe. Es hat für mich nur keine Bedeutung. Es ist mir einfach zu langweilig, zu eindimensional.

Diese Welt ist mir häufig einfach zu einfach und dabei wird sie kompliziert. Durch ihre Langeweile auf mich verpasse ich Schlüsselereignisse ich drifte ab und verpasse wichtige Momente und dann wird es unverständlich.

Ich werde jetzt nach draußen gehen und wieder in meine Welt eintauchen, vielleicht schaffe ich es eines Tages zu verstehen wie die Welt funktioniert, oder warum unbedeutendes für so viele wichtig ist. Vielleicht schaffe ich es mich festzuhalten und mich aktiv zu stoppen, wenn ich bemerke, dass ich die Wirklichkeit nach meinen Vorstellungen verändere, doch im Moment fehlt mir einfach nur die Kraft und ich bin froh, dass ich diesen Text schreiben konnte. Angst muss jedoch keiner haben, dass ich meine Welt in eure bringe, außer in Geschichten.

Und für alle die es nicht wirklich verstehen hier noch ein kleines Beispiel für meine Welt.

Das Titelbild meines Blogs ist nicht einfach nur eine Drachengeschichte. Es ist das was ich sehe, wenn ich vom Parkplatz zur Wohnung gehe. Es ist das, was ich sehe wenn ich aus dem Fenster gucke, es ist für mich genauso existent wie der Postkasten, der Baum und die Ampel, auch wenn ich Logisch weiß das es nicht existiert, mein Kopf projiziert diese Abenteuer ständig und immer, denn nur gehen ist mir zu langweilig.

 

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