#NotJustSad

Stell dich nicht so an +++ mir geht es auch mal schlecht +++ Es gibt andere mit echten Problemen …

Diese Liste könnte ich unendlich fortsetzen, genauso wie die endlose Flut an Tweets mit dem Hashtag, der Menschen mit Depressionen eine Stimme verleihen soll.

depress

Leider klappt das so nicht. An dem alten Problem hat sich nichts geändert nachdem sich ein Torwart vor einigen Jahren getötet hat und es hat sich auch nichts nach dem Suizid von Robbin Williams geändert.

Außenstehende verstehen es nicht. Wie sollten sie auch. Denn meistens verstehen es die betroffenen selbst kaum. Man weiß nur das was nicht stimmt. Doch was, ist schwer zu fassen und der Auslöser noch viel schwerer.

Von der WHO gibt es ein gutes Video, das versucht Betroffenen und Außenstehenden zu erklären was los ist.

Das Video hat mich dazu gebracht von mir selber Zeichnungen anzufertigen wenn ich die Situation nicht mehr verstehe und der Schwarze Hund mich voll und ganz beherrscht.

Schwarzer Hund ist eine schöne Formulierung doch für mich trifft es nicht ganz zu. Denn es fühlt sich für mich mehr an wie eine Glocke, eine große Glocke aus schwarzem Rauch, die sich über mein Gehirn gelegt hat und da wird sie größer und größer sie umhüllt alles. Mal schnell mal schleichend, wie Smog. Ich kann ihr nicht entkommen und wünsche mir in solchen Situationen gerne eine Art Überdruckventil in der Schädeldecke. Ein kleines Loch über das ich den Überdruck entweichen lassen kann.

Doch leider ist dies nicht möglich. Also habe ich angefangen mich zu zeichnen wenn ich bemerke, dass ich in dieser Glocke bin. Denn nur so kann ich mich selber sehen. Ein Spiegel oder ein Foto kann das nicht schaffen, denn ich muss das zeichnen, was hinter der Fassade ist.

Lege ich die Zeichnung dann zur Seite und betrachte sie mit einigen Minuten abstand, dann sehe ich oft was passiert, was in mir ist, dann kann ich die für mich gefundenen Gegenmaßnahmen starten. Manchmal hilft es schon alles stehen und liegen zu lassen und sich für ein paar Minuten raus zu nehmen, eine Auszeit, ein Spaziergang, eine Tafel Schokolade, ein Eis, Lakritz. Dinge von denen ich weiß, dass ich sie wirklich liebe. Manchmal hilft schon ein Video mit einer Katze, oder einem Faultier, oder einem Hund. Die unbeschwerte Lebenslust hat schon so manches Mal geholfen. Doch dann gibt es auch Tage, an denen hilft nichts, kein Film, kein Tiervideo, kein Lakritz, man zerschlägt Gegenstände, obwohl ein Sandsack im Zimmer hängt, man zieht sich unter die Decke zurück oder starrt auf den Monitor in der Hoffnung die Lösung zu finden, doch man findet sie nicht.

An solchen Tagen kann man selber kaum aus dieser Beklemmung herauskommen, da helfen dann nur noch wirklich gute Freunde. Oder man bleibt einfach im Bett oder auf dem Sofa.

Egal was man macht, welche Wege und Methoden man für sich findet, alles ist richtig und gut. Solange sie einen davon abhalten sich oder anderen zu schädigen, zu beschädigen.

Eins steht auf jeden Fall fest, wenn man nur traurig wäre, dann hätte man kein Problem und eine Lösung. Doch die lässt auf sich warten. Ich suche nun schon seit Jahren nach dem Ursprung nach einer Lösung, doch ich kann sie nie wirklich greifen, auch wenn ich sie schon so manches Mal gesehen habe.

Man kann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und ab und zu hilft auch die Chemie. Doch egal welchen Weg man wählt er ist anstrengend. Er hat viel mit Angst zu tun, mit furcht vor sich selbst, mit sich selbst entdecken, mit Trauer Freude und Weinen. All dies liegt oft nur Millisekunden voneinander getrennt. Der Beste Tag im Leben ist nur ein Wimpernschlag vom Schlimmsten entfernt, häufig zerbricht man daran und ist dann stunden damit beschäftigt die Einzelteile wieder zusammenzukleben, dabei versucht man jedes Mal die Teile in eine andere Reihenfolge zu bringen, in der Hoffnung, dass es diesmal die richtige ist.

In diesen Momenten braucht man eigentlich Hilfe und gleichzeitig nicht, denn es ist sehr intim und was man findet tut oftmals nur noch mehr weh.

Um Hilfe rufen ist nicht einfach, denn es zählen nur Leistung und Ergebnisse und da auch nur die Gewinne, Jugend- und Fitnesswahn leisten auch noch ihren Beitrag. Mir kommt es oft vor, als sei die Krankheit im Kopf für die Erfolgsgesellschaft das neue Lepra, man wird zum Aussätzigen.

Wer jemanden in seinem sehr nahen Umfeld hat der einen Schwarzen Hund hinter sich herzieht soll sich drauf einlassen die Welt des Depressiven  zu verstehen und durch kleine Schubser versuchen die Person aus der Dunstglocke zu holen, aber immer langsam und vorsichtig. Oftmals hilft einfach nur da sein, oder gemeinsam mit dem Schwarzen Hund raus zugehen.

Wer depressiv ist, ist nicht einfach nur traurig und stellt sich nicht nur an. Habt Verständnis und helft verstehen, damit Suizid kein Ausweg wird.

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