Knutschen in der letzten Reihe kostet 3€ extra. Kino ist nicht mehr was es mal war.

Paramount Pictures hat angekündigt, Filme demnächst schneller parallel zu vermarkten über Streaming, DVD, Blu-ray oder was auch immer noch kommen wird.
90 Tage zwischen Kinostart und Zweitverwertung sind ihnen zu lange und ich sage nur, hoffentlich kommt das schnell. Am besten wäre eine Veröffentlichung parallel im Kino und zum Streamen.

Das bedeutet nicht, dass ich nicht gerne einen Film im Kino sehen würde. Ich liebe die bombastische Bildgewalt einer Kinoleinwand und den wummernden Sound, das sollte aber nur eine nette Beigabe sein und nicht der Hauptanteil eines Films.

imkinoknutschen

In den letzten Jahren bin ich immer seltener ins Kino gegangen. Zunächst waren es irreführende Trailer, die einem wer weiß was versprochen haben, um später im Film nach 20 Minuten herauszufinden, dass im Trailer schon die besten Szenen zu sehen waren. Das hat mich dann erstmal davon abgehalten, mir den nächsten Film im Kino anzusehen. Dann kamen die veränderten Sehgewohnheiten dazu, dass man durch DVD und Co. gemerkt hat, wie erfrischend es ist, einen Film im Original zu sehen. Selbst wenn man eine Sprache nicht kann, ist ein Untertitel häufig angenehmer als eine miese Synchronisation, die weniger an den Sprechern, mehr an der schlechten Übersetzung liegt.

Mein Lieblingsbeispiel ist hier ein Inspector Lynley in dem der schöne Satz vorkommt „…ich hatte heute Morgen nur ein organisches Butterbrot…“ Ja, kann man machen, in der 5. Klasse.

Und genau da haben wir dann eins der Probleme, warum Kino immer uninteressanter wird. Denn selbst im Ruhrgebiet muss man nach einem Kino suchen, das Filme im Original zeigt.

Hat man dann das Kino gefunden, das den gewünschten Film tatsächlich im Original zeigt, kommt der nächste Hammer. (Der Eintrittspreis hier mal bezogen auf die Preise vom UCI)

 

Eintritt 8,50 €
Filmzuschlag 0,50 € – 2,00 € wofür steht da nicht
Logenzuschlag 1,50 € Man will ja nicht 5 Meter vor einer Megaleinwand sitzen.
Will man noch höher sitzen, zum Beispiel als Teenie beim ersten Date, kostet die Hoffnung auf  Knutschen in der letzten Reihe 3,00€.
3D Zuschlag 3,00 € Gibt ja kaum noch Filme ohne, ob man will oder nicht.
iSens 2,00 € Was das soll, versteht kein Mensch, aber so kann man noch mal 2 € abziehen.

Und so kostet für mich und meine Frau ein Samstagabend im Kino im günstigsten Fall 17 € und mit Reservierung 18,40 €.
Wollten wir z.B. den neuen Terminator sehen, sind wir bei 32,40 €.

Und ganz ehrlich, diese Eintrittspreise die alles andere als durchsichtig sind, sind eine einzige Frechheit. Ja Mitarbeiter, Technik und auch die Filme müssen bezahlt werden, aber mir kann keiner erzählen, dass in den letzten Jahren der Kinobetrieb so extrem viel teurer geworden ist. Den Vorführer, der aus mehren Rollen einen Film ohne Unterbrechung zusammensetzt und für einen nahtlosen Übergang sorgt, den braucht man bei der Digitaltechnik nicht mehr.

Darüberhinaus will ich auch gar kein 3D, und schon gar kein iSens und die Überlänge bei allem über 90 Minuten ist mittlerweile absoluter Murks, denn welcher Film geht nur noch 90 Minuten?

Die Filme tragen dann ihren Teil zum Kinofrust bei. Man merkt schon häufig im Kino, wo was rausgeschnitten wurde, um dann ein Jahr später die fehlenden Szenen als Extended oder Directors Cut zu verkaufen.

Von der Qualität der Geschichten und dem unerträglichen Product Placement fange ich gar nicht erst an, aber wenn drei Mal in 20 Minuten erwähnt wird, dass ein bestimmtes Tablet, Auto, Getränk benutzt wird, dann reicht es auch.

Mein Negativ-Höhepunkt waren Budweiser und Nokia im ersten Star Trek Reboot von J.J Abrams. Der Film war okay, aber wer Markennamen und Geld in das Star Trek Universum packt, hat die wichtigste Errungenschaft dieser Zukunft nicht verstanden, „Kein Besitz, alles für alle, das Streben nach mehr Wissen ist das Ziel“.

Ich sage häufiger, dass ich mal wieder echtes Popcorn-Kino haben will, wie Goonies, Jurassic Park, Zurück in die Zukunft oder Ghostbusters. Ja ich weiß, da spielt eine Menge idealisierter Kindheitserinnerungen mit rein, aber das stimmt nur so halb.

Vor ein paar Monaten hatte ich die Gelegenheit mit meinem 12-jährigen Patenkind Filme zu gucken. Eine Woche lang, jeden Tag ein Film. Mal durfte er sich einen aussuchen, mal ich.

Als erstes Griff er zu X-Men, Iron ManAvengers usw. Die Blockbuster unserer Zeit, um endlich mitreden zu können. (Die Synchronisation hat meine Ohren zum Bluten gebracht.)
Bei allen Filmen, die er sich aussuchte, war es das gleiche: Hibbeliges Rumgerutschte und nach 20 Minuten das Handy mit WhatsApp in der Hand.

Dann habe ich einen Film ausgesucht.

Zunächst Jumanji. Es begann mit dem Typischen 12-jährigen Verhalten (hatte ich auch): Der ist ab 12? Das ist nur über ein Brettspiel und der Film ist alt. Nach 5 Minuten lag das Handy auf dem Tisch und er saß bis zum Schluss angespannt auf dem Sofa und hat nur ab und zu gefragt, ob die das schaffen.

Danach kam noch so ein Superheldenmurks, den er sich aussuchte, ja das Handy war nach 20 Minuten wieder in der Hand. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich die nächsten Filme aussuche.

Die Goonies. Es wurde genölt, denn der war noch älter als Jumanji und ganz ohne CGI, Der ist ab 12, das ist ein Kinderfilm, der ist bestimmt wie Pippi Langstrumpf. Als Sloth auftauchte war es ruhig und er war total in die Geschichte eingetaucht.

Und so ging es weiter mit Jurassic Park, Ghostbusters usw.

Alles Filme, die mich im gleichen Alter ins Kino gelockt haben und deren Abenteuer auch noch 30 Jahre später spannend genug sind.

Der letzte Film, der das geschafft hat, war Super 8.

Nach dieser Woche ist mir dann eins bewusst geworden, die jungen Zuschauer haben keine Bezugspersonen mehr in den Filmen. Es werden Bombast Action Comic Verfilmungen mit erstaunlichen Effekten gedreht, aber die Figuren und ihre Geschichten sind so flach, dass sie 2D sind, trotz 3D.

„Unbedeutender Junge bekommt mega Kräfte und rettet mit Maske die Welt *gähn*“

Es fehlen die liebevollen Figuren die Richard Donner, Steven Spielberg und Chris Columbus geschaffen haben, Gleichaltrige, mit denen man sich identifizieren kann und gleichzeitig davon träumen lassen, selbst solch unwahrscheinlichen Abenteuer zu erleben.

Stattdessen werden 12-Jährige in 3D Action Filme geschleppt, in denen seelenlose Roboterautos, oder 50-jährige Playboy-Milliardäre die Welt retten oder zerstören, je nach Saison.

Nur mag ein alternder Robert Downey Junior noch die Mütter in seinen Bann ziehen, so erzeugt er bei einem jungen Zuschauer keine Emotionen und schon gar keine Möglichkeit, sich mit dieser Figur zu identifizieren. Die Abenteuer sind einfach so weit weg, dass man nach dem Kinobesuch exorbitant teures Merchandising braucht um die Abenteuer des Superhelden nachzuspielen.

Nach einem Film wie Goonies oder Jumanji reichte es schon, den Dachboden zu betreten oder in den unheimlichen Keller zu gehen, um ein Abenteuer zu erleben. Da brauchte man keine Iron-Man Maske für 50€, da reichte eine olle Taschenlampe, eine Schnur und ein Taschenmesser (Lassen Helikopter Eltern heute eh nicht mehr zu).

Es ist im Grunde sogar traurig, dass ein ganzes Filmgenre aus Profitgier und mangelnder Risikobereitschaft verschwunden ist. Da produziert man lieber den 5000. Reboot von Spiderman, da weiß man was man hat.

Selbst nach einem Film wie Ghostbusters reichte es, sich den Staubsauger auf den Rücken zu schnallen und aus Legos eine Geisterfalle zu bauen.

Kurz und knapp, Kino macht keinen Spaß mehr. Es fehlen Figuren und Abenteuer, mit denen man sich identifizieren kann. Personen, die Abenteuer erleben, die ein wenig unrealistisch sind aber immer noch so echt, dass sie schon hinter der nächsten Ecke auf einen warten könnten, das ist als Kind, Jugendlicher und Erwachsener so. Dieses Gefühl, etwas zu sehen, was man auch erleben könnte und doch ein wenig zu viel Phantasie hat um echt zu sein, kann einem kein CGI, 4K, iSens, 3D, HFR irgendwas ersetzen. Das Geheimnis sind gute Geschichten und nicht gute Effekte.

Es ist 2015 und alle reden immer noch von Zurück in die Zukunft. Ich bezweifle, dass in 30 Jahren auch nur einer von den Marvel und DC Superheldenfilmen der 2000er reden wird. Denn bis dahin sind sie schon 100 Mal rebootet worden, mit noch mehr Effekten und ganz ohne Schauspieler und gehören eh alle Disney.

Die ganzen Mädchen (ja hier meine ich bewusst Mädchen) Filme mit irgendwelchen Prinzessinnen, Pferden, Sternen und was weiß ich alles für einen Murks, die Schnulzen und pseudo-intellektuellen Arthouse Filme über Geiger, Hotels oder gelähmte Millionäre lasse ich einfach mal außen vor, denn die sind so exakt auf die Zielgruppen zugeschnitten, dass ich überzeugt bin, dass die Drehbücher von Marketingabteilungen geschrieben werden.

Abgesehen von den mittlerweile langweiligen immer gleichen Filmen gibt es aber einen Punkt, den auch bessere Drehbücher und neue Ideen nicht ändern können, der Hauptgrund, warum ich nicht mehr, oder nur noch sehr selten ins Kino gehe: Es sind die anderen Zuschauer. Ich bin mir oft nicht sicher, ob ich in einem Schnellimbiss bin oder in einem Kino. Da sitzt links einer der schlürft sein mega 1 Liter Irgendwas und verteilt den Rieseneimer Popcorn um sich und rechts frisst einer stinkende Nachos, die einem später unterm Schuh kleben, hinter einem schmatzt einer mit Schokolade, Pizza und Weingummi und vor einem muss jemand im 3 Minuten Tackt die neusten WhatsApp Nachrichten checken und ständig raus um Fressen nachzuholen oder aufs Klo zu gehen. Bittet man darum, Rücksicht zu nehmen, weil man den Film sehen will, gibt es im besten Fall nur eine freche Antwort. Und dafür soll ich dann auch noch am Wochenende bis zu 18€ zahlen? Ne danke, da warte ich lieber bis ein Film auf Netflix und Co. zur Verfügung steht oder verzichte ganz.

Nicht mal das Ausweichen in die OV oder ein Alternativkino helfen dabei, diesen Idioten zu entkommen. Es muss nicht wie im Theater sein, aber es muss auch nicht wie bei den Flodders sein. Solange sich das nicht geändert hat, bleibe ich den Kinos gerne fern und warte, bis der Film über die Glasfaserleitung zu mir kommt.

Kino, denn dafür werden Filme nicht gemacht.

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